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Drei Etagen voll Ruhrgebiet – Das Schaudepot des Ruhr Museums 

Gegenwart, Gedächtnis und Geschichte in einer Industriekulisse: Das Ruhr Museum auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen zeigt in seiner Dauerausstellung die Natur- und Kulturgeschichte einer der größten Industrieregionen der Welt von der Entstehung der Kohle vor über 300 Millionen Jahren bis hin zur modernen Metropole Ruhr. Dem früheren Weg der Kohle folgend steigt man immer tiefer in die Geschichte des Reviers hinab. Dabei geht es durch fensterlose Bunker vorbei an riesigen Industriemaschinen, rohen Betonwänden und Transportbändern. Dazwischen zeigen 6.000 Objekte, wie sich eine ehemals landwirtschaftlich geprägte Region zum größten Kohle- und Stahlproduktionsgebiet Europas entwickelte und zur heutigen Metropole Ruhr wurde. Sonderausstellungen zu unterschiedlichsten Ruhrgebietsthemen eröffnen immer wieder Einblicke in die Geschichte einer Region im Wandel. Mehrere Außenstellen im Essener Stadtgebiet ergänzen mit Veranstaltungen das Programm, darunter das Kleine Atelierhaus und die Musterwohnung auf der Margarethenhöhe, der Halbachhammer, das Mineralien-Museum und das Deilbachtal. Das Schaudepot auf der Kokerei Zollverein gehört seit 2021 zu den Highlights des Museums. 

NATUR KULTUR GESCHICHTE – Die Sammlungskategorien des Schaudepots, benannt nach der gleichnamigen Dauerausstellung des Ruhr Museums Essen, verteilen sich auf drei Etagen. Das Schaudepot zeigt, wie vielschichtig die Geschichte des Ruhrgebiets ist und bietet gleichzeitig einen zentralen Lagerort für die Fundstücke aus der Region. Gefördert wurde der Bau des Schaudepots von der Bundesregierung im Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“.
Das Schaudepot umfasst über 25.000 Objekte, in der Dauerausstellung werden 6.000 gezeigt. Weitere Bestände befinden sich in Außenstellen, etwa im Mineralien-Museum in Essen-Kupferdreh. Wenn sich die Objekte der Region in einem Haus befinden, sind sie zugänglicher für die Forschungsarbeit und Pflege. Das Schaudepot wurde mit dem Ziel errichtet, die Sammlungsbestände aus verstreut liegenden Depots künftig an einem Standort zu bündeln.
Wie in einer Schatztruhe: In den allermeisten Bereichen des Schaudepots stehen die Objekte offen in den Regalen. Aus diesem Grund kann das Schaudepot nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Das Vermittlungsprogramm des Ruhr Museums bietet den Besuchenden überdies die Möglichkeit, im Rahmen von Workshops und Zeichenkursen ein wenig länger im Schaudepot zu verweilen und den Objekten näherzutreten.
Senior:innen kommen auf der ersten Etage bei den Führungen ins Schwärmen: Besonders die Möbelsammlung aus den 1930er, 1940er und 1950er Jahren lässt ältere Besuchende nostalgisch werden. Sie finden Objekte wieder, die früher in ihrem Zuhause standen oder mit denen sie als Kind gespielt haben. Da der Fundus groß ist, findet hier jede:r einen Anknüpfungspunkt.
Einige Objekte werden besonders bestaunt. Kinder interessieren sich vor allem für die Schädel und Abdrücke diverser Tiere und Dinosaurier, wie bspw. eines Riesenkalmars oder eines Donnertiers im dritten Stock des Hauses. Auf derselben Etage begeistert ein riesiger Bergkristall. Hier begegnen Kinder Tierfossilien und Mineralien aus nächster Nähe, statt sie nur im Naturkundebuch zu betrachten.

Im Gespräch mit Anke Seifert-Paß, Archäologin und Vermittlerin

Welche Teile der Sammlung werden im Schaudepot sichtbar?

Da das Ruhr Museum ein Mehrspartenhaus ist, haben wir Sammlungen aus verschiedenen Fachrichtungen. Unsere Sammlungsgeschichte geht über 100 Jahre in die Vergangenheit zurück, große Teile davon zeigen wir auf den drei Etagen des Schaudepots. In den Führungen durchschreiten wir von oben nach unten eine Etage nach der anderen und geben Einblicke in drei verschiedene Sammlungskategorien. Ganz oben beginnt die Sammlung zur Kategorie NATUR, die die Naturkunde, Geologie, Mineralogie und Paläontologie umfasst. Einen Teil der dritten Etage belegt ein Teil der Sammlung des ehem. Fuhlrott-Museums in Wuppertal. Darin befinden sich u. a. fossile und mineralische Objekte, die noch erforscht werden müssen. Auch das ist Teil unserer Arbeit.

In der zweiten Etage werden Objekte der Kategorie KULTUR gezeigt. Dort befinden sich Teile unserer archäologischen und historischen Sammlung aus dem Mittelalter und der Vormoderne. Große Sammlungsbestände zur Industrie- und Zeitgeschichte finden sich dann auf der ersten Etage wieder. Dieser Teil fällt unter die Kategorie GESCHICHTE. 

Wie ergänzt das Schaudepot laufende Ausstellungen?

Die Dauerausstellung des Ruhr Museums läuft unter dem Titel „NATUR KULTUR GESCHICHTE“, der auf die enge Abstimmung des Schaudepots und der Dauerausstellung verweist. Während die Kategorien der Dauerausstellung die Geschichte des Ruhrgebiets erzählerisch erschließen, präsentiert das Schaudepot die Objekte stärker in ihrem sammlungsbezogenen Kontext. So ist es die Aufgabe des Museums, die Geschichte erfahrbar zu machen, während das Schaudepot die Museumsarbeit widerspiegelt. Hier werden die fünf Säulen der Museumsarbeit sichtbar: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln.

Im Mai 2026 haben wir unser Sommerfest zum Internationalen Museumstag gefeiert und es nun zum zweiten Mal im Schaudepot veranstaltet. Thematisch war das Fest an unsere aktuelle Sonderausstellung „Über Leben in der Eiszeit“ angelehnt, wozu wir im Depot eine große Bandbreite an Objekten haben. Wir können also zu fast jedem Thema, das wir im Museum bespielen, auch parallel im Depot Veranstaltungen organisieren.

Wie wird das Schaudepot in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit eingebunden? 

Für uns gleicht die Sammlung des Ruhr Museums einem Schatz. Aus diesem Grund haben wir einen eigenen Workshop mit dem Titel „Dein Schatz“ entwickelt. Darin können Kinder beispielweise Edelsteine aus der mineralogischen Sammlung, Schatztruhen aus dem Mittelalter oder den Sammelkoffer eines Kriegsheimkehrers aus dem Zweiten Weltkrieg näher betrachten und sich ihre eigene Schatztruhe zusammenstellen.

Manchmal lassen sich Inhalte ansprechender erläutern, wenn man Dinge anfassen kann, anstatt sie nur zu betrachten. Deshalb stellen wir einige Objekte im Schaudepot für alle Zielgruppen in Form von Handstücken bereit. Im Rundgang durch die NATUR-Abteilung kann man beispielsweise den Zahn eines Narwals bestaunen und mithilfe einer Narwal-Figur nachvollziehen, woher er stammt. Mit seiner gewundenen Form bildet er die Grundlage für die Legende der Einhörner.

Zu guter Letzt kommen im Programm „Zeichnen im Schaudepot“ auch die erwachsenen Besucher:innen auf ihre Kosten. Für sie werden Objekte im Schaudepot auf Tischen aufgestellt, sodass sie diese in aller Ruhe und aus der Nähe abzeichnen können. Während ein solches Format in der Dauerausstellung schwieriger umsetzbar wäre, da sich die Objekte größtenteils in Vitrinen befinden und nicht beweglich sind, bietet das Schaudepot dafür die idealen Bedingungen und reichlich Inspiration. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr zu den Kategorien und Objekten im Schaudepot des Ruhr Museums finden Sie hier  unter https://ruhrmuseum.de/schaudepot. 

„Für uns gleicht die Sammlung des Ruhr Museums einem Schatz.“
Anke Seifert-Paß

Anke Seifert-Paß (M.A.) absolvierte von 1996 bis 2001 ein Studium der klassischen Archäologie, Ägyptologie und Alten Geschichte in Köln und Hamburg. 2002 bis 2006 war sie wissenschaftliche Hilfskraft bei der Ausgrabung des DAI (Deutsches Archäologisches Institut) Rom in Selinunt, Sizilien und in der Fotothek des DAI. Im Bereich der Bildung und Vermittlung für die Archäologie des Ruhr Museums ist sie seit 2017 tätig. Zu ihren Aufgaben im Ruhr Museum gehören u.a. die museumspädagogische Betreuung der Veranstaltungen und Sonderausstellungen mit archäologischer Thematik, museumspädagogische Betreuung der Außenstelle Schaudepot des Ruhr Museums auf Zollverein, des Färbergartens auf Zollverein, des OGS-Programms im Mineralien-Museum sowie in Teamarbeit die Betreuung diverser Großveranstaltungen des Ruhr Museums.