Ein Blick in die Vergangenheit – Das Schauregal im archäologischen Haus am Petriplatz, dem PETRI Berlin
Das PETRI Berlin lädt ein, in die Welt der Archäologie einzutauchen und das noch häufig verborgene Erbe der Metropole zu entdecken. Unter dem Motto „Entdecke die Archäologie“ bietet die Ausstellung im PETRI Berlin Informationen, Interaktionen und Einblicke hinter die Kulissen der Archäologie. Besucher:innen verfolgen auf ihrem Rundgang durch das Haus den Weg eines Fundes von der Grabung bis zur Ausstellung. Das auf den Fundamenten der mittelalterlichen Lateinschule gebaute Besuchendenzentrum zeigt das, was sonst hinter verschlossenen Türen stattfindet: Das PETRI Berlin macht Werkstätten, Magazine und Projektbereiche für Besucherinnen und Besucher zugänglich, so dass sie an aktuellen Entdeckungen und Forschungen unmittelbar teilhaben und die einzelnen Schritte der archäologischen Arbeiten miterleben können. Dabei vermitteln bedeutsame Funde aus dem gesamten Berliner Stadtgebiet und der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten von der Altsteinzeit bis hin zu modernen Objekten alle Facetten der Archäologie.
Im Gespräch mit Conrad Mücke, verantwortlich für die Outreach-Angebote des PETRI Berlin
Welche Teile der Sammlung werden im Schauregal sichtbar?
Im Schauregal zeigen wir die Berliner Archäologie in ihrer ganzen Bandbreite, und zwar nicht als abgeschlossene Sammlung, sondern als Ausschnitt von Funden aus dem Berliner Stadtgebiet und darüber hinaus. Entsprechend zeigen wir in den Regalen, die sich über alle fünf Etagen des Hauses ziehen, ganz unterschiedliche Arten von Objekten. Dazu gehören Alltagsfunde, Baufragmente, Werkzeuge, aber auch Objekte aus der Zeitgeschichte der Stadt. Die Objekte stehen stellvertretend für ehemalige Orte im Stadtraum. Beispielsweise sieht man mittelalterliche Ziegel des Alten Rathauses, die beim Bau des U-Bahnhofs Rotes Rathaus gefunden wurden, oder Fragmente der Berliner Börse in der Burgstraße vom Spreeufer gegenüber des Berliner Doms. Außerdem wird ein Schleppbügel aus der NS-Zeit ausgestellt, der am Tempelhofer Feld für den Transport von Flugzeugen genutzt wurde.
Diese Bandbreite der Sammlungen möchten wir nicht versteckt im Depot lagern, sondern als Abbild der Sammlungs- und Stadtgeschichte zur Stadt hin präsentieren.
Wie ergänzt das Schauregal laufende Ausstellungen?
Das Schauregal verstehen wir als eine bewusste Öffnung des Sammlungsortes zur Stadt hin. Es funktioniert wie ein überdimensionales, durch das Fenster dauerhaft sichtbares Depot, das im Stadtraum präsent ist.
In unserem Haus haben die Themen Fundeingang, Restaurierung, Werkstätten oder unsere Sammlungen eine je eigene Etage. Diese Bereiche bilden wichtige Prozesse der archäologischen Arbeit ab und diese möchten wir in der Ausstellung ebenso sichtbar machen wie die Objekte: Von der Grabung über die Reinigung der Funde und deren Restaurierung bis hin in zur Präsentation wie beispielsweise im Schauregal. So entsteht eine Ausstellung, die weniger ein abgeschlossenes Ergebnis widerspiegelt als einen andauernden archäologischen Prozess. Für die Archäologie in Berlin gibt es tatsächlich noch viel zu tun – diese Botschaft wird bei uns deutlich.
Durch das archäologische Fenster im Erdgeschoss erhält man zudem einen Blick in die Vergangenheit des Standortes: Zu sehen sind die Fundamente der ehemaligen Cöllnischen Lateinschule. Im Schauregal ab der ersten Etage tauchen einzelne Elemente aus dieser Epoche wieder auf, wo sie näher betrachtet werden können. So wird der räumliche und inhaltliche Zusammenhang zwischen dem Grabungsort und den Objekten deutlich.
Wie wird das Schauregal in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit eingebunden?
Das Schauregal ist ein essenzieller Bestandteil unserer Workshop-Angebote und Führungen. Die dafür ausgewählten Originalobjekte erzählen von verschiedenen Epochen Berliner Stadtgeschichte. Werkzeuge, Verpackungen von Lebensmitteln, Behältnisse oder auch Straßenschilder verweisen auf ganz alltägliches Leben. Darüber können wir mit den Kindern und Jugendlichen leicht Bezüge zwischen eigenen Erfahrungen und der Archäologie herstellen. Die Objekte sind deshalb auch bewusst nicht hinter Glas, sondern direkt zugänglich.
Gerade in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen steht ihre eigene Lebenswelt und das eigene Tun oft im Vordergrund. Die Begeisterungsfähigkeit junger Leute greifen wir auf, wenn wir uns ab Herbst 2026 per Lastenrad mit originalen Fundstücken der Berliner Archäologie auf den Weg in Kindertageseinrichtungen und Schulen machen, um Berliner Kindern und Jugendlichen ihre Stadtgeschichte näherzubringen.
Conrad Mücke (M.A.), geb. 1981, ist Historiker und Archäologe. Er studierte Archäologie und Geschichte an der Humboldt Universität zu Berlin sowie an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Seit März 2024 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Outreach im PETRI Berlin, einem Kooperationsprojekt des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Landesdenkmalamt Berlin, tätig. Zuvor leitete er das Referat Erinnerungskultur beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und koordinierte digitale Transformations- und Vermittlungsprojekte bei der Kulturstiftung der Länder sowie für die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Er war an zahlreichen Ausstellungsprojekten beteiligt und engagiert sich im Deutschen Museumsbund und bei ICOM Deutschland.
Das PETRI Berlin ist ein Kooperationsprojekt des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Landesdenkmalamt Berlin. Mehr zur Bildungs- und Vermittlungsarbeit sowie dem Hintergrund des PETRI Berlin finden Sie unter https://www.petri.berlin/.