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Ein Blick in die Vergangenheit – Das Schauregal im archäologischen Haus am Petriplatz, dem PETRI Berlin

Das PETRI Berlin lädt ein, in die Welt der Archäologie einzutauchen und das noch häufig verborgene Erbe der Metropole zu entdecken. Unter dem Motto „Entdecke die Archäologie“ bietet die Ausstellung im PETRI Berlin Informationen, Interaktionen und Einblicke hinter die Kulissen der Archäologie. Besucher:innen verfolgen auf ihrem Rundgang durch das Haus den Weg eines Fundes von der Grabung bis zur Ausstellung. Das auf den Fundamenten der mittelalterlichen Lateinschule gebaute Besuchendenzentrum zeigt das, was sonst hinter verschlossenen Türen stattfindet: Das PETRI Berlin macht Werkstätten, Magazine und Projektbereiche für Besucherinnen und Besucher zugänglich, so dass sie an aktuellen Entdeckungen und Forschungen unmittelbar teilhaben und die einzelnen Schritte der archäologischen Arbeiten miterleben können. Dabei vermitteln bedeutsame Funde aus dem gesamten Berliner Stadtgebiet und der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten von der Altsteinzeit bis hin zu modernen Objekten alle Facetten der Archäologie.

„Entdecke die Archäologie“ – schon der Schriftzug am Eingang des PETRI Berlin lässt erahnen, was die Besuchenden im Inneren erwartet. Über den Fundamenten der ehemaligen Petrikirche und zu ihr gehörenden mittelalterlichen Lateinschule zeigt das Besuchendenzentrum Berliner Stadtgeschichte von der Steinzeit bis in die jüngere Vergangenheit. Auch die Arbeitstechniken der Archäologie lassen sich im Haus erleben.
Ebenso vielschichtig wie eine Grabungsstätte: Im Schauregal präsentiert das PETRI auf fünf Etagen Originalobjekte aus seinen Depots. Objekte aus verschiedenen Epochen werden hier für die Öffentlichkeit zur Ansicht bereitgestellt. Beim abendlichen Spaziergang ist es möglich, einen Blick auf das Innenleben des archäologischen Hauses zu werfen.
Innenansicht aus dem ersten Obergeschoss. Links befinden sich u.a. Ziegel und Terrakotten der Fassade der Schinkel’schen Bauakademie, rechts sind Porzellanisolatoren aus dem ältesten Elektrizitätswerk der Berliner Mitte zu sehen. Das Schauregal bringt Objekte aus verschiedenen Epochen zusammen.
Innenansicht des zweiten Obergeschosses. Vom mittelalterlichen Mühlenstein aus dem Mühlendamm, über Fragmente des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals bis hin zu Objekten aus der Geschichte des Nationalsozialismus – Berlin hat viele Umbrüche erlebt. Eine Gruppe Studierender hat erläuternde Texte zu den Objekten im Schauregal mitentwickelt, die allen Besuchenden zur Verfügung stehen.
Innenansicht des dritten Obergeschosses. Links im Regal befinden sich Sandstein-Fragmente eines Kopfes der Berolina mit ihrer steinernen Krone, als Symbol für die Stadt Berlin vom Fassadenschmuck der ehemaligen Berliner Börse. Rechts im Bild sind Gefäße aus Zypern aber auch aus dem Berliner Raum zu sehen. Sie zeigen die Vielfalt Sammlungsgebiete des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Im Wechselspiel der Jahreszeiten wird das Tageslicht je nach Intensität durch Rollos reduziert. Trotzdem sind alle im Schauregal platzierten Originalobjekte so ausgewählt, dass sie den Bedingungen standhalten können ohne beschädigt zu werden.

Im Gespräch mit Conrad Mücke, verantwortlich für die Outreach-Angebote des PETRI Berlin

Welche Teile der Sammlung werden im Schauregal sichtbar?
Im Schauregal zeigen wir die Berliner Archäologie in ihrer ganzen Bandbreite, und zwar nicht als abgeschlossene Sammlung, sondern als Ausschnitt von Funden aus dem Berliner Stadtgebiet und darüber hinaus. Entsprechend zeigen wir in den Regalen, die sich über alle fünf Etagen des Hauses ziehen, ganz unterschiedliche Arten von Objekten. Dazu gehören Alltagsfunde, Baufragmente, Werkzeuge, aber auch Objekte aus der Zeitgeschichte der Stadt. Die Objekte stehen stellvertretend für ehemalige Orte im Stadtraum. Beispielsweise sieht man mittelalterliche Ziegel des Alten Rathauses, die beim Bau des U-Bahnhofs Rotes Rathaus gefunden wurden, oder Fragmente der Berliner Börse in der Burgstraße vom Spreeufer gegenüber des Berliner Doms. Außerdem wird ein Schleppbügel aus der NS-Zeit ausgestellt, der am Tempelhofer Feld für den Transport von Flugzeugen genutzt wurde. 

Diese Bandbreite der Sammlungen möchten wir nicht versteckt im Depot lagern, sondern als Abbild der Sammlungs- und Stadtgeschichte zur Stadt hin präsentieren. 

 

Wie ergänzt das Schauregal laufende Ausstellungen?
Das Schauregal verstehen wir als eine bewusste Öffnung des Sammlungsortes zur Stadt hin. Es funktioniert wie ein überdimensionales, durch das Fenster dauerhaft sichtbares Depot, das im Stadtraum präsent ist. 

In unserem Haus haben die Themen Fundeingang, Restaurierung, Werkstätten oder unsere Sammlungen eine je eigene Etage. Diese Bereiche bilden wichtige Prozesse der archäologischen Arbeit ab und diese möchten wir in der Ausstellung ebenso sichtbar machen wie die Objekte: Von der Grabung über die Reinigung der Funde und deren Restaurierung bis hin in zur Präsentation wie beispielsweise im Schauregal. So entsteht eine Ausstellung, die weniger ein abgeschlossenes Ergebnis widerspiegelt als einen andauernden archäologischen Prozess. Für die Archäologie in Berlin gibt es tatsächlich noch viel zu tun – diese Botschaft wird bei uns deutlich.

Durch das archäologische Fenster im Erdgeschoss erhält man zudem einen Blick in die Vergangenheit des Standortes: Zu sehen sind die Fundamente der ehemaligen Cöllnischen Lateinschule. Im Schauregal ab der ersten Etage tauchen einzelne Elemente aus dieser Epoche wieder auf, wo sie näher betrachtet werden können. So wird der räumliche und inhaltliche Zusammenhang zwischen dem Grabungsort und den Objekten deutlich. 

 

Wie wird das Schauregal in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit eingebunden?
Das Schauregal ist ein essenzieller Bestandteil unserer Workshop-Angebote und Führungen. Die dafür ausgewählten Originalobjekte erzählen von verschiedenen Epochen Berliner Stadtgeschichte. Werkzeuge, Verpackungen von Lebensmitteln, Behältnisse oder auch Straßenschilder verweisen auf ganz alltägliches Leben. Darüber können wir mit den Kindern und Jugendlichen leicht Bezüge zwischen eigenen Erfahrungen und der Archäologie herstellen. Die Objekte sind deshalb auch bewusst nicht hinter Glas, sondern direkt zugänglich.

Gerade in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen steht ihre eigene Lebenswelt und das eigene Tun oft im Vordergrund. Die Begeisterungsfähigkeit junger Leute greifen wir auf, wenn wir uns ab Herbst 2026 per Lastenrad mit originalen Fundstücken der Berliner Archäologie auf den Weg in Kindertageseinrichtungen und Schulen machen, um Berliner Kindern und Jugendlichen ihre Stadtgeschichte näherzubringen. 

„Das Schauregal verstehen wir als eine bewusste Öffnung des Sammlungsortes zur Stadt hin.“
Conrad Mücke

Conrad Mücke (M.A.), geb. 1981, ist Historiker und Archäologe. Er studierte Archäologie und Geschichte an der Humboldt Universität zu Berlin sowie an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Seit März 2024 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Outreach im PETRI Berlin, einem Kooperationsprojekt des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Landesdenkmalamt Berlin, tätig. Zuvor leitete er das Referat Erinnerungskultur beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und koordinierte digitale Transformations- und Vermittlungsprojekte bei der Kulturstiftung der Länder sowie für die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Er war an zahlreichen Ausstellungsprojekten beteiligt und engagiert sich im Deutschen Museumsbund und bei ICOM Deutschland.

Das PETRI Berlin ist ein Kooperationsprojekt des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Landesdenkmalamt Berlin. Mehr zur Bildungs- und Vermittlungsarbeit sowie dem Hintergrund des PETRI Berlin finden Sie unter https://www.petri.berlin/