Sammeln aus Überzeugung – Das Schaudepot im Filmmuseum Potsdam
In einem Gespräch erzählt Beate Rabe, zuständig für Filmbildung und -vermittlung im Filmmuseum Potsdam, von den Aufgaben des Schaudepots im Haus.
Welche Teile der Sammlung werden im Schaudepot für Besucherinnen und Besucher des Museums sichtbar?
Bei der Auswahl der Objekte für das Schaudepot haben wir uns daran orientiert, ob sie einem besonderen Schauwert entsprechen. Wir wussten, dass unsere Filmtechniksammlung das größte Interesse erweckt, auch wenn viele sich mit den Objekten nicht auskennen. Dazu gehören alte Kameras, Scheinwerfer oder Tonequipment. Zu uns kommen viele Liebhaber:innen und bringen eine große Faszination für altes Filmmaterial mit. Im selben Raum stellen wir einen gemeinsam mit dem Filmmuseum Frankfurt am Main und der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln übernommenen Nachlass des deutschen Filmemachers Werner Nekes aus. Dieser hat imposante, optische Geräte aus der Epoche vor der Erfindung der Kinematographie gesammelt. Darunter fallen beispielsweise Guckkästen oder eine Camera Obscura.
Der dritte Bereich mit einem eigenen Raum gilt den sogenannten 3D-Objekten: Dort finden sich Requisiten, Kostüme und Set-Design Modelle wieder.
Wie ergänzt das Schaudepot laufende Ausstellungen?
Im Schaudepot des Filmmuseums werden Einblicke in jene Teile unserer Sammlung gewährt, die nicht in die ständige Ausstellung passen. Während Ausstellungen einer inhaltlichen Erzählung folgen und nur ausgewählte Objekte zeigen, macht das Schaudepot unsere Bestände sichtbar, die die Sammel- und Bewahrungsarbeit dokumentieren. In unserer ständigen Ausstellung „Traumfabrik – 100 Jahre Babelsberger Filmgeschichte“ erzählen wir etwa von den berühmten Babelsberg Studios und den komplexen und mehrschrittigen Prozessen, die mit dem Filmemachen einhergehen. In unserem Schaudepot spielt das dafür verwendete technische Werkzeug und Filmequipment die Hauptrolle.
Besucherinnen und Besucher erhalten sozusagen einen Blick in den Backstagebereich: Sie sehen nicht nur, was das Filmmuseum sammelt, sondern auch wie und warum man beispielsweise empfindliches Papier von Drehbüchern oder Skizzen in säurefreien Kartons aufbewahren muss. Hier können wir zeigen, warum selbst solche eher unscheinbaren Objekte für die Filmgeschichte und auch für künftige Generationen relevant sein können.
Wie wird das Schaudepot in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit eingebunden?
Das Filmmuseum ist ein Institut der Filmuniversität Potsdam und liegt genau auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Schaudepots. Für die Studierenden sind unsere Bestände sowie Objekte zur Film- und Produktionsgeschichte deshalb zugänglich und für die eigene Recherche und Forschung interessant. Um sie für die eigene Arbeit zu inspirieren, schaut sich eine Professorin für Set-Design beispielsweise mit ihren Studierenden in unserem Modellbereich den Zeichenentwurf und das 3D-Modell eines Märchenschlosses an. Dort überlegen die Studierenden, welche technischen Möglichkeiten es heute für die Umsetzung gibt und was sie bei der Planung und Produktion heute anders machen würden.
Für die jungen Besucher:innen ist das Schaudepot eher ein Entdeckungsort mit Gegenständen, die sie nicht aus ihrem Alltag kennen. Für sie planen wir gerade Formate, in denen wir etwa analoge 16mm-Kopien vorführen, die sie schneiden, bearbeiten und neu zusammenkleben sollen. Analoge Filmentwicklung ist für sie besonders spannend, weshalb sie bei uns lernen können, wie man richtig mit dem Material umgeht. In der zweiten Jahreshälfte soll außerdem ein Escape Game im Schaudepot erprobt werden. Die Räumlichkeiten sollen als Schauplatz und die Objekte als Indizien für einen Krimifall dienen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Beate Rabe hat Kunst im Lehramt in Dresden sowie Kultur- und Kunstwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin studiert. Sie wirkte an Kunstprojekten und Filmproduktionen mit, bevor sie 2006 im Filmmuseum Potsdam den Bereich Museumspädagogik übernahm. Seither entwickelte sie zahlreiche ausstellungsbegleitende Workshop-Formate und etablierte Filmbildungsangebote für Kitas, Schulen und Erwachsenengruppen. Sie engagiert sich in Kooperationen mit lokalen und überregionalen Akteur:innen sowie für die Etablierung des Mediums Film in Aus- und Weiterbildung von Pädagog:innen.