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Sammeln aus Überzeugung – Das Schaudepot im Filmmuseum Potsdam

Eine Auswahl aus der Sammlung: Im Schaudepot sind rund 750 Objekte und 400 Schriftstücke aus einer insgesamt etwa eine Million Objekte umfassenden Sammlung ausgestellt. Darunter fallen Kostüme, Filmrequisiten, Modelle von Filmsets, Masken, technische Geräte und historische Dokumente.
Von der Kamera bis zum Scheinwerfer: Die Techniksammlung des Schaudepots gehört zu den größten Deutschlands. Hier lässt sich die technische Geschichte des Filmemachens von den Anfängen bis in die Neuzeit nachverfolgen. Filmbegeisterte entdecken unter den Beständen manchmal seltene Modelle, die sonst nirgendwo zu finden sind.
Filmbearbeitung früher: Ein historischer Schneidetisch mit Umrollern erinnert an die Zeit, als Filme noch analog geschnitten und Bild für Bild bearbeitet wurden. Vorgänge wie diese zeigen den Besucher:innen, wie aufwendig und kleinschrittig die Filmproduktion im Gegensatz zu heutigen, digitalisierten Verfahren war.
„Im Schaudepot sollte die Vermittlung immer mitgedacht werden“, sagt die Vermittlerin Beate Rabe vom Filmmuseum Potsdam. Auch wenn Kinder und Jugendliche nicht alle technischen Zusammenhänge verstehen, staunen sie bei jeder Führung aufs Neue. Denn durch die unterschiedlichen Objekte im Schaudepot bekommen sie vielleicht zum ersten Mal einen Eindruck davon, wie breit gefächert die Technik für die Filmproduktion ist.
8, 16 oder 35mm? Besonders die analoge Produktion auf Filmstreifen weckt großes Interesse. Die unterschiedlich breiten Filmstreifen waren damals schon sehr kostspielig, weshalb sich Filmproduzent:innen vorher genau überlegen mussten, welche Bilder sie für ihre Filme brauchen. Junge Besucher:innen können diese Erfahrung mit ihren eigenen digitalen Geräten nicht machen. Ob sie sich analoge Filme wohl anders anschauen, wenn man weiß, mit welchem Aufwand sie hergestellt wurden?
An einer Station im Schaudepot können sich Besucher:innen Filmstreifen für zu Hause abschneiden lassen. Entscheidend ist hierbei der unmittelbare Kontakt mit dem Material, denn durch das haptische Erleben kann die Begeisterung für das Handwerk Film weitergetragen werden.
Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main (DFF), das Filmmuseum Potsdam und die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln haben gemeinsam, mit einer Förderung der Kulturstiftung der Länder, die wahrscheinlich größte Sammlung zur Geschichte der visuellen Künste, die Sammlung des deutschen Filmemachers Werner Nekes erworben. Mehr dazu unter: https://www.kulturstiftung.de/bild-fuer-bild/.

In einem Gespräch erzählt Beate Rabe, zuständig für Filmbildung und -vermittlung im Filmmuseum Potsdam, von den Aufgaben des Schaudepots im Haus.

Welche Teile der Sammlung werden im Schaudepot für Besucherinnen und Besucher des Museums sichtbar?

Bei der Auswahl der Objekte für das Schaudepot haben wir uns daran orientiert, ob sie einem besonderen Schauwert entsprechen. Wir wussten, dass unsere Filmtechniksammlung das größte Interesse erweckt, auch wenn viele sich mit den Objekten nicht auskennen. Dazu gehören alte Kameras, Scheinwerfer oder Tonequipment. Zu uns kommen viele Liebhaber:innen und bringen eine große Faszination für altes Filmmaterial mit. Im selben Raum stellen wir einen gemeinsam mit dem Filmmuseum Frankfurt am Main und der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln übernommenen Nachlass des deutschen Filmemachers Werner Nekes aus. Dieser hat imposante, optische Geräte aus der Epoche vor der Erfindung der Kinematographie gesammelt. Darunter fallen beispielsweise Guckkästen oder eine Camera Obscura.

Der dritte Bereich mit einem eigenen Raum gilt den sogenannten 3D-Objekten: Dort finden sich Requisiten, Kostüme und Set-Design Modelle wieder.

Wie ergänzt das Schaudepot laufende Ausstellungen?

Im Schaudepot des Filmmuseums werden Einblicke in jene Teile unserer Sammlung gewährt, die nicht in die ständige Ausstellung passen. Während Ausstellungen einer inhaltlichen Erzählung folgen und nur ausgewählte Objekte zeigen, macht das Schaudepot unsere Bestände sichtbar, die die Sammel- und Bewahrungsarbeit dokumentieren. In unserer ständigen Ausstellung „Traumfabrik – 100 Jahre Babelsberger Filmgeschichte“ erzählen wir etwa von den berühmten Babelsberg Studios und den komplexen und mehrschrittigen Prozessen, die mit dem Filmemachen einhergehen. In unserem Schaudepot spielt das dafür verwendete technische Werkzeug und Filmequipment die Hauptrolle.

Besucherinnen und Besucher erhalten sozusagen einen Blick in den Backstagebereich: Sie sehen nicht nur, was das Filmmuseum sammelt, sondern auch wie und warum man beispielsweise empfindliches Papier von Drehbüchern oder Skizzen in säurefreien Kartons aufbewahren muss. Hier können wir zeigen, warum selbst solche eher unscheinbaren Objekte für die Filmgeschichte und auch für künftige Generationen relevant sein können.

Wie wird das Schaudepot in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit eingebunden?
Das Filmmuseum ist ein Institut der Filmuniversität Potsdam und liegt genau auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Schaudepots. Für die Studierenden sind unsere Bestände sowie Objekte zur Film- und Produktionsgeschichte deshalb zugänglich und für die eigene Recherche und Forschung interessant. Um sie für die eigene Arbeit zu inspirieren, schaut sich eine Professorin für Set-Design beispielsweise mit ihren Studierenden in unserem Modellbereich den Zeichenentwurf und das 3D-Modell eines Märchenschlosses an. Dort überlegen die Studierenden, welche technischen Möglichkeiten es heute für die Umsetzung gibt und was sie bei der Planung und Produktion heute anders machen würden. 

Für die jungen Besucher:innen ist das Schaudepot eher ein Entdeckungsort mit Gegenständen, die sie nicht aus ihrem Alltag kennen. Für sie planen wir gerade Formate, in denen wir etwa analoge 16mm-Kopien vorführen, die sie schneiden, bearbeiten und neu zusammenkleben sollen. Analoge Filmentwicklung ist für sie besonders spannend, weshalb sie bei uns lernen können, wie man richtig mit dem Material umgeht. In der zweiten Jahreshälfte soll außerdem ein Escape Game im Schaudepot erprobt werden. Die Räumlichkeiten sollen als Schauplatz und die Objekte als Indizien für einen Krimifall dienen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

„Im Schaudepot sollte die Vermittlung immer mitgedacht werden.“
Beate Rabe

Beate Rabe hat Kunst im Lehramt in Dresden sowie Kultur- und Kunstwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin studiert. Sie wirkte an Kunstprojekten und Filmproduktionen mit, bevor sie 2006 im Filmmuseum Potsdam den Bereich Museumspädagogik übernahm. Seither entwickelte sie zahlreiche ausstellungsbegleitende Workshop-Formate und etablierte Filmbildungsangebote für Kitas, Schulen und Erwachsenengruppen. Sie engagiert sich in Kooperationen mit lokalen und überregionalen Akteur:innen sowie für die Etablierung des Mediums Film in Aus- und Weiterbildung von Pädagog:innen.